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Eine Ode an die Wut & den Mut – Wild & Frei Teil 2

Ich nehme euch wieder ein Stückchen mit hinter die Kulissen der Frauenkraftreise Wild & Frei. Im letzten Blogbeitrag erzählte ich von der Scham. Diesmal geht es um das zweite Modul zu Mut & Wut. Also schnallt euch gut an! Auf zum Höhenflug. 

Wut & Mut sind unfassbar lebendige Kräfte, die uns alles möglich machen! Pia Mortimer 

Zu uns stehen

Mut & Wut. Beides Kräfte, die ich gut in meinem Leben kenne & unglaublich schätze. Ich würde mich als mutige Person beschreiben. Ich habe immer wieder Entscheidungen getroffen, die von Außen nicht logisch erschienen, oder in meinem Umfeld abwechselnd für Unmut, Verwirrung oder staunende Bewunderung gesorgt haben. Etwa als ich nach dem Abitur für ein Freiwilliges Soziales Jahr nach Bosnien ging. Die meisten Absolvent*innen verschlug es nach Australian. Kanada. Work and Travel.

Nicht so ich. Mich verschlug es in den Balkan. Zugeben: Ich hatte zunächst andere Pläne. Wollte in ein afrikanisches Land. Doch es kam anders. Zum Glück. Eine Lehrerin schaute mich damals völlig verdutzt und mit großen Augen an, als ich erzählte wohin ich gehen würde. Ob dort denn die Lage sicher sei, fragte sie besorgt. Ich kann alle beruhigen. Damals und auch jetzt ist dies ein sicheres Land welches einen in eine unglaublich spannende Kultur eintauchen lässt und atemberaubende Landschaft zu bieten hat. Und doch ist nicht auszuklammern, das dieses herzförmige Balkanland politisch und wirtschaftlich nicht gut da steht.

Der Aufenthalt in Bosnien hat mich und meine Persönlichkeit in jedem Fall geprägt und geformt. Ich habe dort so viel gelehrt über andere Lebensweisen, über Privilegien, was es für Land und Leute bedeutet Krieg zu erleben. Über Liebe. Über mich. Über Allein Sei. Über Ängste. Über Gastfreundschaft. 

Es hat mich die Erfahrung machen lassen, in einem anderen Land Fremde zu sein (etwas was jeder*r wie ich finde, erleben sollte) und sich auf eine andere Kultur einzulassen. Ein Perspektivwechsel.

Oft haben mir meine Entscheidungen im Nachhinein gezeigt , dass ich damit nicht unbedingt immer den leichtesten Weg gewählt habe. Aber eben meinen einzigartigen Weg. Und dafür immer wieder all meinen Mut zusammengenommen habe. Wenn mein Herz ja sagt, dann stelle ich mich auf eine Bühne und trage Gedichte vor. Wenn mein Herz ja sagt, dann singe ich vor Menschen und zeige mich, mit meiner Leidenschaft, mit meinem Sein. Mein Herz ist mein Kompass und eine Schatztruhe voller schillender Ideen.

Und ja. Ich bin auch momentan mutig, wenn es um meine Selbstständigkeit geht. Als Frauenbegleiterin. Ich begebe mich mal wieder auf einen ungewissen Weg, der sich für mich so gut und richtig anfühlt. Mit einer Vision im Herzen. Herz über Kopf. So war es bei mir zumeist. Das Herz entscheidet in den wichtigsten, den lebensentscheidenden Situationen. 

Natürlich bin ich nicht immer mutig. Es gibt zig Situationen, wo ich mir eine Portion mehr Mut gewünscht hätte. Menschen gerne mal ordentlich die Meinung gegeigt hätte. Jedoch geschwingen habe. Wo ich mich im Nachhinein ärgerte, dass ich nicht mehr zu mir, zu meiner Meinung gestanden habe und darauf geschissen habe, was andere von mir denken und halten. Da zeigt sich eben doch wie sich immer wieder die Angst vor Ablehnung in unser Leben schleicht, „so“nicht geliebt, gemocht zu werden. 

Die Kraft der Rebellion 

 

Privat

Auch die Wut ist für mich keine Unbekannte. Im Gegenteil. Wir kennen uns gut. Meistens haben ich und die Wut eine gesunde Beziehung. Und es gibt genügend worüber wir in dieser Welt empört und wütend sein können. Die Wut über Ungerechtigkeit, über Menschen, die sich über einen stellen, über Sexismus, (Alltags-)Rassismus, (Post)Kolonialismus, Ausbeutung, Kapitalismus, über Krieg..Klimawandel, Umweltzerstörung.. die Liste ist lang. 

 

In mir steckt eine kleine Rebellin, eine kleine Aktivistin, die dieses Leid auf der Welt zu tiefst mitnimmt. Die sich mit der Ungerechtigkeit nicht einverstanden erklären und es einfach hinnehmen kann. Als junges Mädchen hielt ich eines Tages eine Ausgabe des Spiegelmagazin in der Hand. Es ging darin um eine Dürre in einem afrikanischen Land und es waren abgemagerte Kinder abgebildet. Mich erschütterte der Artikel und die Bilder so sehr, dass ich in der Schule einen Vortrag hielt. Heute weiß ich, dass solche Bilder auch etwas sehr polemisches haben. Dass sie einen Teil der Realität abbilden und Afrika mehr ist als Armut. Und doch meine damalige Reaktion, dass es für mich in jungen Jahren unerträglich war zu wissen, dass es anderen schlechter als mir geht. 

Als es letztes Jahr große Demos auf dem Hambacher Forst gab, ein Jahrtausende alter Wald in Nordrhein Westfallen, dessen letztes Stückchen Wald dem Kohleabbau zum Opfer fallen sollte, war die Empörung bei vielen Menschen in der Bundesrepublik groß. Jung, alt, Kinder, Eltern, Familien, Studierende, Rentner*innen gingen gemeinsam auf Protestmärsche. Sangen Lieder. Setzten sich für Mutter Natur ein. Für die Erhaltung dieses Biotops. Für die nächste Generation. Für unsere Kinder.

Mich hat das damals sehr ergriffen. Diese Stimmung. Dieser Aufschrei vieler Bürger*innen. Verärgert hat mich die Ignoranz vieler Politiker*innen. Doch es gab so viele Menschen, die aufstanden. Für mich und viele andere was unvorstellbar, wie man so ein wertvolles Stück Natur einfach für kapitalistische Zwecke so egoistisch hergeben kann. Die Natur gehört uns nicht. Wann verstehen wir das endlich. Deshalb bin ich mit auf einem Protest gewesen. Gemeinsam mit Tausenden anderen. Und für einen Polizisten gab es sogar Kuchen. 😉 Den Aktivist*innen sind in der Regel in ihrer Wut sehr friedlich.

© AlexK

Die Wut für sich zu nutzen wissen

Unsere Wut ist eine lebendige Kraft, hat das Potenzial, dass wir unsere Stimme erheben, nicht länger schweigen, uns für einen Wandel, sei es politisch, gesellschaftlich, persönlich, zwischenmenschlich einsetzen.

Wut kann so viel bewirken, wenn wir sie für uns zu nutzen wissen.  

 

 

Mut und Wut. Bei der Frauenkraftreise Wild und Frei beides in einem Modul vereint. Denn bei genauerem Hinschauen wird deutlich: Diese beiden Powerkräfte gehören zusammen. Sind unzertrennlich. Sie befruchten sich gegenseitig. 

Wenn wir nicht mutig sind, kann es auch schwer fallen, der Wut in unserem Leben einen Platz einzuräumen, ihre eine Stimme zu verleihen, weil wir z.B. gelernt haben, dass die Wut etwas schlechtes ist.

Wenn wir nicht mutig sind, nicht für UNS einstehen, unterdrücken wir die Wut, bis sie plötzlich explosionsartig ein Feuer entfacht. Dann kann die unterdrückte Wut zu einer destruktiven gewaltigen Kraft heranwachsen, die uns und anderen schadet. 

 

In unsere Körperin „einchecken“

Photo by Nicole Honeywill

Deshalb ist es so wichtig, dass wir immer wieder den Tag über in unsere Körperin einchecken, unsere Emotionen wahrnehmen und begleiten.. dafür gibt es im Workbook von Pia Mortimer viele hilfreiche Übungen. Körperarbeit at its best.

Z.B. Einen Bodyscan und den Impuls einen Wecker  (z.B. dreimal täglich) zu stellen um immer wieder zu prüfen , wie es uns den Tag über eigentlich geht.

 

 

Denn ja, auch wenn es sich um Gefühle wie Wut und Mut dreht, stehen unsere Körperin, unsere Emotionen im Fokus mit denen wir zurück zu uns finden, lernen bewusst wahrzunehmen, was in uns vorgeht. Statt es wegzudrücken, wenn sich unliebsame Emotionen wie Wut zeigen. Unsere Emotionen und körperlichen Empfindungen sind wie ein Kompass, ein innerer Wegweiser, wenn wir lernen ihnen aufmerksam und achtsam zu lauschen. Dann können sie ein wertvolles Werkzeug sein, das uns immer wieder hilft uns mit uns selbst zu verbinden. Uns zurück in den Moment holt.

Beim Lesen sollte bis zu dieser Stelle bereits klar geworden sein, was für eine mächtige Kraftquelle die Wut sein kann. Natürlich ohne dabei Menschen körperlich, verbal, oder non verbal zu verletzten. 

Ein Kennenlernen mit der Wut 

Photo by Nathan Lindahl

Das zweite Modul der Frauenkraftreise bringt uns schnell auch zu dem Thema Grenzen und Bedürfnisse. Denn unsere Wut kann das Signal sein, dass wir mit etwas nicht einverstanden sind. Dass jemand unsere Grenzen missachtet hat. Die Wut schaltet sich oft auch dann ein, wenn wir vielleicht zu spät merken, dass wir gerade über unsere eigenen Grenzen gehen, oder andere diese mit Füßen trampeln.

 

Und deshalb ist es so wichtig der Wut zu zu hören, sie wieder in unser Leben einzuladen und sie nicht länger in das Hinterkämmerchen zu verbannen. 

Überhaupt ist es so essentiell,  wahrzunehmen, wo unsere eigenen Grenzen sind und sie anderen auch im nächsten Schritt mitzuteilen.

Bei unserem zweiten Wild & Frei Live Treffen Mitte Mai in Hamburg gab es eine Übung bei der wir zunächst schauten, welche Rolle die Wut in unserem Leben einnimmt.

Stellvertretend dafür lag ein Kissen auf dem Boden und wir Frauen positonierten uns zu dem Kissen, aka der Wut. 

Ich und die Wut stehen uns sehr nahe. Sind Buddies, erinnere mich beim Live Treffen in Hamburg gesagt zu haben. Und ja, ich verteufle die Wut nicht, ich erkenne die ungebändigte Kraft die darin steckt. Ich weiß aber auch, dass ich in der Vergangenheit Wutausbrüche hatte, die nicht unbedingt förderlich (für mich) waren. Ich wünsche mir meine Wut teilweise noch besser zu kanalisieren.

Und ich glaube, das ist so unglaublich wichtig. Unserer Wut auch Ausdruck zu verleihen. Sei es, dass wir in den Wald gehen und laut schreien. Ein Extra dafür vorgesehenes Teesevice in der Küchen haben, das wir einfach gegen die Wand schmettern. Ein expressionistisches Bild malen und es, wenn uns danach ist, danach wieder wutentbrannt zerstören. Aber die Wut, die soll ihren Weg nach draußen finden dürfen, sonst kann sie uns schnell verbrennen. Und ich glaube die Wut ist dazu im Stande ganz Wundervolles zu erschaffen. Ladet sie doch mal in euer Leben ein. Verleiht ihr wirklich Ausdruck. 

Wie klingt die Wut?

Photo by Derek Story

Hast du dir diese Frage schon mal gestellt? Bei unserem zweiten Live Treffen von Wild und Frei haben wir unsere Wut bewusst eingeladen und gemeinsam getönt. Einen (ureigenen) Ton für unsere Wut gefunden. Und auch geschrien, wem danach war. Denn auch dafür, gerade für diese ungeliebten Gefühle, ist bei Wild und Frei der Raum geöffnet. Die Wut rauszulassen. Die Wut, die wir uns vielleicht all die Jahre lang nicht zugestanden, nicht erlaubt haben, zu fühlen. Die Wut, die sich angestaut hat.

Versteht mich nicht falsch, das heißt nicht, dass wir jetzt in Zukunft alle laut schreiend durch die Welt laufen sollen. Bitte nicht.

Es geht darum unsere Wut endlich mal kennenzulernen. Und, wow was da für eine Power dahinter, in ihr steckt. Das wird spätestens nach einem Schrei klar. Das ist befreiend. Das ist bestärkend. Das ist selbst ermächtigend. Die Katze ist endlich aus dem Sack!

Wenn wir verstehen mit wem oder was wir es bei der Wut zu tun haben, dann gibt uns das ein großes großes Stück Handlungsmacht zurück, macht uns nicht mehr zum Opfer unserer Wut, versetzt uns nicht mehr in Schock starre.. oder zumindest nur noch kurzzeitig.

Wir wissen wer sich da meldet, gesehen, gehört werden möchte.. und das ist pure Befreiung. 

Es lässt uns wieder das Ruder, das Lenkrad unseres Bootes in die Hand nehmen. Denn wir sind alle Kapitän*innen unseres eigenen Lebens. Keine Opfer dieses Lebens oder unserer Gefühle.

Freudiges Wiedersehen

Deva – Zentrum für Yoga & Selbstheilung © Lisa Maczey

Endlich sahen wir Wild und Frei Frauen uns Mitte Mai wieder. Bei viel besseren Wetter als beim ersten Live Treffen trudeln wir im Deva ein. Draußen scheint die Sonne. Ein (vor)freudies Widersehen. Ich höre bekannte Stimmen. Lachen. Wir umarmen uns. Da ist sie wieder die Wärme, die mich dort empfängt und umarmt.

Was für eine wundervolle Reise die wir bis hier hin schon zurück gelegt haben. Voller Täler und Schluchten, fantastischen Sonnenaufgängen, Gewitter, Meeresrauschen und immer einem ordentlichen Fahrtwind, der uns begleitet auf unserem Weg zu mehr Freiheit.

Wild & Frei © Lisa Maczey

Tränen. Inner Prozesse. Tiefe Emotionen. Unser Wachstum anerkennen. Aneinander & miteinander wachsen. So viele Prozesse, die Wild und Frei bei jeder Einzelnen von uns bis jetzt los getreten hat. Mir ist jede einzelne Frau auf dieser Reise ans Herz gewachsen. In jeder Frau sehe ich einen Teil von mir wieder. Und das ist für mich eine der wertvollsten Erfahrungen von Wild und Frei: Die Verbundenheit und Solidarität unter uns Frauen wahrhaftig zu erleben und zu spüren. Ich fühle mich bei ihnen gesehen, gehalten, gestärkt. Wir feiern uns gegenseitig. Unsere kleinen Schritte in die Selbstständigkeit, in unser wahres authentisches Selbst. Und ja, es tut verdammt gut sich gegenseitig zu bestärken. Etwas was wir in dieser Gesellschaft teilweise völlig vernachlässigen. Uns bestärken. Stattdessen werden wir viel zu oft zu Alleinkämpferinnen  herangezogen.

Wild & Frei (rechts Martha Rauch) © Lisa Maczey

Bei Wild und Frei feiern wir uns für die allerkleinsten und die allergrößten Schritte und Erfolge. Für große und kleine Mutproben im Alltagsdschungel, die wir bestehen.Wir feiern wir uns für Gespräche die notwendig sind und die uns viel viel Mut abverlangen. Für unsere Wut, die wir anerkennen. Für Grenzen und Bedürfnisse, dir wir mehr und mehr erkennen und unseren Mitmenschen gegenüber verbalisieren. Für jede unserer Emotionen die wir leben, annehmen. Die uns zu der machen die wir sind. BeFREIte Frauen. Ich wünsche mir, dass wir uns mehr feiern, für unsere Emotionen, für unsere Ängste, die wir anerkennen und mit anderen teilen. Für unser Echtsein, statt etwas vorzugeben, was wir in Wahrheit nicht sind, bloß weil wir es in dieser Gesellschaft teilweise so vorgelebt bekommen.

Pia Mortimer Woman & Birth Coach © Lisa Maczey

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wild und Frei neigt sich dem Ende zu. Unser aller letztes Live Treffen findet Ende Juli statt. Das zweite Modul zum Thema Sinnlichkeit hat begonnen. Seid gespannt auf den nächsten Blogbeitrag und dem Abschluss der Frauenkraftreise Wild & Frei von der wundervollen Pia Mortimer, Woman & Birth Coach. Das ist nicht das Ende sondern der Beginn einer wundervollen Reise. So viel steht fest.

 

Much Love,

Anna-Sophie ♥

 

 

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